Montag, 29. Juni 2020

Einfach harte Arbeit

Die alteingesessenen St. Georgener Industriebetriebe nahmen ihren Anfang, zum größten Teil, in der Uhrmacherei.
Diese wurde bereits im 17. Jahrhundert, neben der Landwirtschaft, betrieben. 

Unter Schwierigkeiten, mit Fleiß, Wagemut, Entbehrungen, Opfer und harter Arbeit aller Familienmitglieder, machten sie sich im 19. Jahrhundert selbstständig und erweiterten ihre Hausuhrmacherei zum Kleinbetrieb  und schließlich zum Industriebetrieb.

Mit einer spannenden Story, Hintergrundinformationen und vielen Bildern, möchte ich das veranschaulichen.








Verkaufspreis: 10,99 €
188 Seiten, DIN A5 Softcover
ISBN:978-3-750245-2-42


Rezensionen


Kreiszeitung
Heiner Büntemeyer - Erlebnisse aus Silicon Blackforest - 13.12.2018


Erlebnisse aus „Silicon Blackforest“

Von Heiner Büntemeyer


WEYHE - Als 1984 sein Vater starb, fand Rainer Jäckle aus Lahausen in dessen Nachlass einen Stapel eng beschriebener Blätter, die teilweise schon vergilbt und stellenweise schwer zu entziffern waren. „Lebenslauf von Christoph Heinemann St. Georgen im Schwarzwald“ lautete die Überschrift. Rainer Jäckle hat aus diesen Aufzeichnungen ein Buch mit dem Titel „Einfach harte Arbeit“ gemacht. Es ist in erster Linie ein Werk geworden, das ein Stück Heimatgeschichte für das Schwabenländle und ganz speziell für den Schwarzwald mit St. Georgen erzählt.

Angesichts des Namens Jäckle taucht sofort der Gedanke auf, dass Rainer Jäckle aus Schwaben stammt, und St. Georgen im Schwarzwald ist seine Heimatstadt.
Der Name „Heinemann“ führt hierzulande zu keinen Assoziationen. Wer dagegen in St. Georgen groß geworden ist, weiß, dass Christoph Heinemann einer der drei Gründer der „Gebr. Heinemann-Maschinenfabrik“ war.

Sofort machte sich Rainer Jäckle daran, den Lebenslauf abzuschreiben. Natürlich zog er dabei Vergleiche zwischen den sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen jener Epoche und der Gegenwart. Heinemann beschreibt die sozialen Bedingungen der Bevölkerung im Schwarzwald am Ende des 19. Jahrhunderts. Es war dort damals schwer, allein durch Landwirtschaft eine Familie zu ernähren. Viele Menschen arbeiteten in der Forstwirtschaft und verdienten sich durch Heimarbeit ein Zubrot. Schwarzwälder Kuckucksuhren sind nur ein Beispiel für den Fleiß und den Erfindungsreichtum der schwäbischen Tüftler. Später entwickelten sich daraus florierende Betriebe der Feinmechanik und Elektronik. „Silicon Blackforest“ nennt Jäckle diesen Landstrich, in dem sich in St. Georgen aus der kleinen Dorfschmiede das Weltunternehmen „Maschinenfabrik Heinemann“ mit bis zu 800 Mitarbeitern entwickelte. 

Schon die Kinder arbeiten mit

Neben der Entwicklung des Betriebs gewährt Christoph Heinemann in seinen Aufzeichnungen auch zahlreiche Einblicke in die sozialen Verhältnisse in dem kleinen Schwarzwalddorf. Schon die Kinder arbeiteten mit und trugen in der Familie zum Lebensunterhalt bei. Die Familien hielten zusammen, man unterstützte sich in Notlagen bindungslos.

Nach seiner Ausbildung ging der junge Heinemann auf Wanderschaft und arbeitete als Handwerksbursche in Stuttgart, Chemnitz, Berlin und Hamburg und lernte dabei die neuesten Techniken im Maschinenbau kennen. Nach der Rückkehr in den Schwarzwald versuchte er, die erworbenen Kenntnisse in seinem Betrieb umzusetzen. So war er der Erste, der im Schwarzwald eine Lokomobile erwarb und damit die Maschinen antrieb. 

Aber er verschwieg in seinen Aufzeichnungen auch die vielen Rückschläge nicht, die er erlebte. Er beschreibt einen Großbrand, bei dem auch „das Fabrikle“ der Heinemanns abbrennt. Vor allem aber traf ihn der Tod seiner ersten Ehefrau, die ihn mit den kleinen „Buben“ allein ließ.

Aber im Alter blickt Christoph Heinemann auf ein erfülltes Leben zurück, in dem er mit Weitblick, unternehmerischem Ehrgeiz, Erfindungsreichtum und dem Fleiß seiner Mitarbeiter einen großen Betrieb geschaffen hat, der durch Qualität, Zuverlässigkeit, Präzision und fortschrittlicher Technik den Standort St. Georgen weltweit bekannt gemacht hat. 

Zahlreiche Familiennamen und deren Verwandtschaft untereinander werden den Menschen in der Region auch heute noch etwas sagen.     
   
Ausbeutung in den Fabriken

Für Leser aus dem Landkreis sind eher die technischen Hinweise interessant, denn sie sind erstens sehr exakt beschrieben und zweitens in ihrer Weiterentwicklung sehr aufschlussreich. Die Kapitel über seine Wanderburschenjahre vermitteln ein Bild von der brutalen Ausbeutung der Fabrikarbeiter in jener „guten, alten Zeit“.

Auch wenn Christoph Heinemann seine Frau einige Male als „meine liebe Frau“ bezeichnete, beschreibt er in der alltäglichen Realität ein anderes Bild: Die Frau hatte in Haus und Küche zu arbeiteten und Kinder zur Welt zu bringen. Rücksicht auf die Gesundheit wurde kaum genommen. Nicht selten „verschliss“ ein Mann auf seinem Lebensweg gleich mehrere Frauen, heißt es in dem Buch, und auch der Unternehmer Christoph Heinemann machte da keine Ausnahme. 

Anderseits galt nicht nur für seine Mitarbeiter, sondern auch für ihn an sechs Tagen in der Woche ein 14-Stunden-Arbeitstag, und am Sonntag wurden notwendige Reparaturen erledigt.   



Schwarzwälder Bote
Niklas Käfer - Vom Lausbub zum Fabrikanten - 10.06.2020


Vom Lausbub zum Fabrikanten